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Sauerteig für Mitwelt und Mitmenschen werden
Lk 13, 20-21

„Und wiederum sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist gleich einem Sauerteig, den eine Frau nahm und in drei Meßbechern (d.i. in einem halben Zentner) Mehl verbarg, bis daß es ganz durchsäuert war.“

I

Ein alltäglicher, sehr gewöhnlicher, ja trivialer Vorgang: Eine Frau backt Brot. Dabei nimmt sie ein wenig Sauerteig, den sie von der letzten Backerei aufbewahrt hat, und bringt ihn unter die vorgesehene Mehl- oder Teigmaße. Sauerteig macht als Lockerungs- oder Treibmittel das Brot leichter verdaulich. Es ist alter, gräulicher Teig, der schon einen Gärungsprozeß durchgemacht hat; er steuert die Gärung, das "Aufgehen" des frischen Teigs, wenn er ihm zugesetzt wird. Zum vollständigen Durchsäuern braucht er ein paar Stunden. Sauerteig ist unansehnlicher als frischer Teig und galt in Israel als Bild auch für sittliche Fäulnis, für das Alte, das Schlechte, das Unlautere, für die Sünde, die den ganzen Menschen infiziert. Auf israelitische Ohren wirkt es durchaus schockierend, wenn Jesus dieses negative Bild, das auch den Beigeschmack von Zersetzung, Verderbnis und Vergänglichkeit hat, als Gleichnis für das Reich Gottes verwendet.

II

Eine Handvoll dieses unscheinbaren, unansehnlichen Materials wird von einer Frau in den Mehlteig hineingemischt, sodaß es in der großen Maße verschwindet und nicht mehr sichtbar ist. Aber - kleine Ursache, große Wirkung: Diese winzige Menge reicht aus, einen ganzen Trog voll frischen Teigs zu durchsäuern, der ausreicht als Mahlzeit für etwa 160 Menschen!

III

So wie der von der Frau in den Teig hineingemengte Sauerteig das ganze frische Mehl durchwirkt, so verändert und verwandelt Gottes Gnade, das wirkende Wort vom gekreuzigten, gestorbenen und von den Toten auferstandenen Christus die ganze Gemeinde. Seinem Gestorben-Sein, seinem Hingegeben-Sein entspricht beim Sauerteig die gräuliche Unansehnlichkeit, die Zersetzung, das Verhaftet-Sein in der Vergänglichkeit. Der verborgene, unter die Vergänglichkeit getane, unscheinbare, unansehnliche Christus durchwirkt alles, wohinein er getan wird. Es ist die durch Christus sich hingebende Liebe Gottes, seine Gnade, die uns ganz erfaßen und bis ins Tiefste durchdringen will. Sie wirkt überallhin, wo sie hingelangt und wo sie auf Menschen trifft. Ist sie erst einmal ins Mehl hineingemengt, kennt ihre Effizienz kein Halten mehr.

IV

Hinweise zur Meditation: Laßen auch wir uns durchdringen von der Wirkmacht des Wortes von Christus dem Gekreuzigten und Auferstandenen! Laßen wir uns anrühren von der lebendigen Erfahrung seiner Liebe! Staunen wir darüber, daß Jesus sich nicht scheut, in einem so schäbigen Bild uns den Vollzug und die Verwirklichung des Reiches Gottes nahezubringen! Freuen wir uns daran, wie viel die Wirklichkeit Gottes auch heute unter uns und in der Welt immer noch vermag!

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